Was ist mein Unternehmen wert?
Verfasst von Christoph Löslein
Der Investment Banker oder Finanzmathematiker antwortet dieser sei:

Der erfahrene Dealmaker antwortet: „Der Wert ist der Preis auf den sich Verkäufer und Käufer einigen“, nach dem Motto: „Valuation is an opinion – Price is a fact“.
Die Praxis zeigt: Das kann besser gestalten und es ist keine Raketentechnik. Die erzielte Bewertung (der Preis) wird maßgeblich durch die systematische Aufarbeitung von Werthebeln, Wettbewerbund der Verhandlung bestimmt. Vor allem ist das Match-Making mit dem idealen Käufer zentral – da liegt nämlich für alle Parteien am meisten Geld auf dem Tisch.
Zurück zur Frage, wie bewerten: Bei Unternehmen wäre es das Naheliegendste, bei Softwarefirmen aber auch gleich das unüblichste: nachschauen was in der Bilanz steht. Es funktioniert nicht, daFinanzexperten uns verbieten die tatsächlich wertgenerierenden Fixed Assets dort zu bewerten. Die breite, loyale und wachsende Kundenbasis, ein Produkt mit hohem Nutzen und Teamcleverness und Agilität: DAS sind die zentralen Vermögenswerte (assets) in die oft über Jahrzehnte investiert wurde und die in der Regel auch nicht so schnell weglaufen (fixed). Klar, es ist einfacherSchreibtische, Gebäude und Maschinen zu bewerten – aber die haben keine materiellen Auswirkungen auf zukünftige Cash Flows von Softwarefirmen.
Was also messen und wie?
Nicht überraschend sind die zentralen bestimmenden Werttreiber die zukünftige Höhe und das Wachstum wiederkehrender Umsätze (ARR), die langfristig erzielbare EBITDA Marge und damit dessen absolutem Wert und Wachstum. Natürlich ist ein hohes ARR-Wachstum auch ein Werttreiber, aber das Endziel und Treiber für die Bewertung ist die nachhaltige Ertragskraft.
Die exzellente finanzielle Performance hat eine Vielzahl von Quellen. Desto besser man hier Ursache und Wirkung nachvollziehbar beweisen kann, desto weniger ist eine Bewertung akademisch und angreifbar.
| Die exzellente Performance und ihre fünf Hauptfaktoren… | |
|---|---|
| Team und Führung | mit hohem IQ / EQ und Agilität |
| Produkt-USPs | mit starker Innovationkraft und Beständigkeit |
| Stickiness | dadurch geringer Churn |
| KI | nutzen und hebeln (statt Verdrängung) |
| Umsatzqualität | mit geringer Kundenkonzentration und hohem NRR |
| führen zu… | |
| à ARR / Umsatz Wachstum | hohen, wachsendenden ARRs |
| führt zu… | |
| à Marktanteil à Kosten | wachsend degressiv |
| führt zu… | |
| à EBITDA | hohe Marge und wachsend |
Es gibt andere relevante Erfolgsfaktoren für den Erfolg beim Verkauf einer Softwareunternehmung – zwei zentrale Faktoren sind die (hoffentlich fehlende) Abhängigkeit des oder Gründer.innen und die Solidität des Geistigen Eigentums. Diese sind aber eher eine Voraussetzung für eine Transaktion zu sehen denn als Werttreiber.
Auch marketingbezogene KPIs wie Customer Acquisitions Costs (CAC) und Customer Lifetime Value (CLV) sind stark bewertungsrelevant, aber schlussendlich beeinflussen sie nur die bereits genannten Hauptfaktoren.
Wer diese Systematik und Faktoren Beachtung schenkt kann einer Bewertung und den damit in Verbindung stehenden Preisverhandlungen mit Freude entgegensehen. Natürlich ist dadurch das Feld der Kaufpreisgestaltung und Optimierung bei weitem nicht erschöpft: gemeinsam kann man nach der Transaktion ja daran gehen die Werte zu optimieren und sich die Früchte dieser Bemühungen zu teilen via Earn-out oder anderen Mechanismen.
Und auch wenn der typische Käufer EBITDA Anpassungen nicht schätzt – es gibt natürlich Aufwendungen, die wirklich und tatsächlich einmalig sind oder mit dem Geschäft nichts zu tun haben und natürlich wirken die sich stark auf die Bewertung aus, wenn sie wahr und nachhaltig sind.
In der Bilanz finden wir zwar in der Regel – wie eingangs erwähnt – keine für das Geschäft relevanten Fixed Assets und Werthebel, aber in der Überleitung von Bewertung zum Kaufpreis (Equity Bridge) gibt es eine Vielzahl von Anpassungsmöglichkeiten, die man von der Bilanz in Verbindung mit der Geschäftsplanung (Analyse Working Capital) proaktiv angehen kann; nicht selten können hier über 10% des Kaufpreises herausverhandelt werden. In beide Richtungen.